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Vitamin B12: oft besprochen und doch nicht oft genug.

11 Mai

Nachdem ich mich zum überwiegenden Teil vegan ernähre, wurde es schön langsam Zeit, mir mal über Vitamin B12 Gedanken zu machen. Ich nehme an, die meisten, die hier drüberstolpern, sind mit dem Thema vertraut, deshalb an dieser Stelle nur ein paar kurze Worte:

Vitamin B12 wird für die Zellteilung, die Blutbildung, sowie für die Funktion des Nervensystems benötigt. Der tägliche Bedarf ist gering und ein Mangel entwickelt sich oft erst nach Monaten oder Jahren, da das Vitamin über lange Zeit im Körper gespeichert werden kann. Trotzdem ist das Thema wichtig, denn erstens kann ein Mangel zu irreparablen Schäden des Nervensystems führen und zweitens kommt Vitamin B12 in pflanzlicher Nahrung nicht vor. Es wird ausschließlich von Mikroorganismen hergestellt und könnte von reinen „Pflanzenfressern“ also auf natürlichem Wege nur in Form von ungewaschenem Biogemüse aufgenommen werden. Aber mal ehrlich – erstens ist das meiste Gemüse, das man als Stadtmensch zu Gesicht bekommt, sowieso gewaschen und auf Hochglanz poliert und zweitens erscheint mir das doch als eine sehr unsichere Quelle. Ganz zu schweigen davon, dass ich persönlich nicht so auf Sand, Erde und die Ausscheidungen von Mikroorganismen in meiner Nahrung stehe. Zumindest nicht in größeren Mengen ;-)

Veganer sollten ihren Bedarf also mithilfe von Supplementen decken. Es gibt einerseits angereicherte Lebensmittel (z.B. Cornflakes und andere Cerealien, Sojaprodukte, etc.) und andererseits die Möglichkeit, ein Vitaminpräparat einzunehmen. Es wird zwar immer wieder gerne behauptet, dass Vitamin B12 auch in Algen und fermentierten pflanzlichen Lebensmitteln enthalten ist, allerdings hat die Natur die Sache hier – meiner Meinung nach unnötig – kompliziert gemacht: es existieren nämlich auch sogenannte B12 Analoga. Das sind also solche, die „so tun“, als wären sie aktives Vitamin B12, in Wahrheit sind sie aber inaktiv und erfüllen ihre Aufgaben nicht. Gemein, oder? Also: Algen und Sauerkraut = keine sicheren B12-Quellen.

Da ich Cornflakes so gut wie nie und angereicherte Sojaprodukte nicht regelmäßig in ausreichender Menge konsumiere, wollte ich mir also ein Vitaminpräparat kaufen. Es sollte nur Vitamin B12 enthalten sein und das am besten in Form von Kapseln, da ich mit Kautabletten nicht gut klarkomme. Wer nichts gegen Kautabletten mit künstlichem Beerengeschmack einzuwenden hat, der interessiert sich vielleicht für das Multivitaminpräparat VEG1, das extra auf die Bedürfnisse von Veganern zugeschnitten wurde und neben Vitamin B12 auch noch Folsäure, Jod, Vitamin D, Selen, sowie Vitamin B2 und B6 enthält.

Erwähnenswert wäre an dieser Stelle vielleicht auch noch, dass in fast allen Präparaten Vitamin B12 in Form von Cyanocobalamin enthalten ist. Dieses enthält jedoch, wie der Name schon sagt, Cyanide (toxisch) und muss außerdem vom Körper erst in Methylcobalamin umgewandelt werden, da das die wirksame Form von B12 ist. Deswegen hab ich mich auf die Suche nach einem Präparat gemacht, das Methylcobalamin enthält. Nach langem Hin und Her (der Apotheker meinte zuerst, dass in Österreich kein Methylcobalamin erhältlich ist; nachdem ich ein Produkt im Internet gefunden habe, konnte er es mir dann plötzlich doch bestellen) hab ich also gefunden, wonach ich suchte.

Über die Wirkung kann ich noch nichts sagen, da ich erst nach einer Blutuntersuchung anfangen werde, B12 zu supplementieren (um nach einem weiteren Test in ein paar Monaten vergleichen zu können). Aber ich kann immerhin schon so viel sagen: Methylcobalamin E von pure encapsulations ist laut Produktanfrage vegan und ist ganz klar ein Nahrungsergänzungsmittel. Der gescheite Apotheker wollte mir nämlich hinterher noch einreden, dass es sich dabei um ein Medikament handelt. Da ich weiß, dass immer mehr Leute Methylcobalamin bevorzugen und mitunter auch so ihre Probleme mit dem Kauf haben, hier eine gekürzte Antwort einer überaus netten Dame (und ehemaligen Veganerin) von pure encapsulations:

Sehr geehrte Frau xxx,

vielen Dank für Ihre Anfrage. Da ich selbst mal vegan gelebt habe weiß ich wie schwierig es ist sich wirklich daran halten zu können und gute Produkte zu finden. Vegetarier tun sich da schon etwas leichter! Ich habe Ihnen eine Übersicht beigefügt, welche Produkte Rohstoffe tierischer Herkunft enthalten. Die meisten Produkte von pure encapsulations® sind tatsächlich für Veganer geeignet [so auch Methylcobalamin E], da als Kapselhülle fast immer eine Cellulose-Kapsel verwendet wird. Nur Öle können leider nicht mit einer Cellulose-Kapsel hergestellt werden, da sonst die Haltbarkeit nicht gegeben wäre, weil die Cellulose-Kapsel nicht so dicht ist und Öle leicht „ranzig“ werden. […]

Was Ihre Frage betrifft, ob das Produkt von pure encapsulations® ein Arzneimittel ist, kann ich Ihnen klar sagen, dass es sich beim Produkt um ein Nahrungsergänzungsmittel handelt. Wir haben extra unseren Hersteller damit beauftragt ein Produkt herzustellen, dass auch Nahrungsergänzung ist und nicht zur Therapie verwendet wird, sondern ganz klar als Nahrungsergänzung für Gesunde, z.B. eben Vegetarier, die über die Nahrung zu wenig B12 aufnehmen. B12 kann auch nicht überdosiert werden und es ist nachgewiesen, dass der Körper aus den Kapseln leider nur einen Teil aufnehmen kann, weshalb die Kapseln auch etwas „überdosiert“ werden müssen. Aus Injektionen ist B12 natürlich besser verfügbar, aber wenn man nicht „spritzen“ möchte, dann ist das „Methylcobalamin E“ von pure encapsulations® eine echt gute Lösung.

Wenn Sie das Produkt in der Apotheke kaufen, dann müssen Sie darauf achten, dass es sich um das „Methylcobalamin E“ von pure encapsulations® handelt und nicht um das „Methylcobalamin“, weil das „Methylcobalamin“ (ohne dem E hinten dran) ist wirklich Arzneimittel, weil es höher dosiert ist. Sie erkennen das richtige Präparat daran, dass es deutschsprachig etikettiert ist und nicht in englischer Sprache beschriftet, außerdem ist das „pure encapsulations“ Logo abgerundet und nicht ganz eckig.

 

Wenn man sich vegan ernährt, ist es empfehlenswert, den Vitamin B12 Wert regelmäßig testen zu lassen. Mit einem normalen Blutbild ist es leider nicht getan, da hier nicht zwischen aktivem B12 und B12 Analoga unterschieden werden kann. Die Vegane Gesellschaft Österreich empfiehlt daher eine Kombination aus großem Blutbild, Vitamin B12 Blutserumtest und Homocystein. Ich werde wieder berichten, wenn ich meine Testergebnisse habe. Ach übrigens: wie ich mir meine Laborüberweisung vom Hausarzt abholen wollte (Krankenkasse zahlt alles außer Homocystein Test – der kostet knappe 20 Euro), meinte die Sprechstundenhilfe doch glatt, ich soll mir keine Gedanken machen, in Linsen ist alles drin, was man braucht. Daraufhin habe ich erwidert, dass Vitamin B12 in pflanzlicher Nahrung nicht vorkommt und sie meinte noch einmal, dass Linsen in Kombination mit „irgendwas anderem“ sich im Körper so umwandeln, dass man alles kriegt, was man braucht(!?). Zusammenfassend kann ich also nur sagen: hätte ich auf die Arzthelferin gehört, würde ich gar kein B12 nehmen. Und würde ich es doch nehmen, hätte aber auf den Apotheker gehört, dann würde ich immer noch glauben, in Österreich gäbe es nur das minderwertige Cyanocobalamin. Was lernen wir daraus? Möglichst viele Meinungen einholen und sich gründlich informieren.

 

Okay, so kurz sind die Worte doch nicht geworden :-D

Was habt ihr für Erfahrungen mit dem Thema gemacht? Wie supplementiert ihr?

 

Vitamin B12 Praxisanleitung für Veganer: http://www.vegan.at/b12praxis/

Infos zum Blutbild: http://www.vegan.at/blutbild/

Zusammenfassung ernährungswissenschaftlicher Literatur: http://www.vegan.at/warumvegan/gesundheit/vitamin_b12.html

 

Es sollte zwar klar sein, aber zur Sicherheit: dieser Eintrag beruht, so wie jeder andere Eintrag auf diesem Blog, auf meinem persönlichen Wissen bzw. den Informationen, die ich für meinen Eigenbedarf zusammengetragen habe. Ich übernehme daher klarerweise auch keine Verantwortung für Handlungen oder Unterlassungen Dritter, die auf diesen (möglicherweise unrichtigen oder unvollständigen) Informationen beruhen. 

 

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